Warum es Slowflowers selten im Blumengeschäft gibt

Slowflowers sind ein Trend, bei denen auch Blumengeschäfte mitmachen wollen. Trotzdem finden die nachhaltigen Schönheiten nur selten den Weg «From field to vase», wenn ein Blumenladen dazwischen steht. Warum das so ist? 

Gelegentlich verkaufe ich meine Slowflowers an Event-Florist:innen. Sie zahlen dafür deutlich mehr als für konventionelle Schnittblumen – eben, weil es keine sind. Bisher wurden meine Einkaufspreise ohne wenn und aber gezahlt, kürzlich hatte ich jedoch Differenzen mit einem Zürcher Blumengeschäft, das gerne Slowflowers anbieten würde. Es gab die Auffassung, dass diese in jedem Fall wie die anderen Preise an der Blumenbörse (= Grossmarkt) verdreifachbar sein müssten, damit es sich für den Laden rechne — und dass das im Falle meiner Slowlowers zu astronomischen Verkaufspreisen führe.

«Im Detailhandel wird der Preis einer Blume verdreifacht. Damit das geht, müssen die Einkaufspreise niedrig sein.»

Es ist mir bewusst, dass Produkte eine Marge für Händler bieten müssen, mit der sich ihre Kosten und Risiken decken lassen. Bei der Rechnung geht allerdings vergessen, dass das gleichermassen für die «Herstellenden» gilt – und zwar unabhängig von der Branche.

Wir Slowflower Farmer:innen etwa sind selten offizielle Landwirtschaftsbetriebe, arbeiten auf klein(st)en Flächen und nach ganz anderen Massstäben als konventionelle Schnittblumenproduzenten – noch dazu fast immer allein. Und schon gar nicht haben wir das technische Equipment derjenigen, die Blumen an die Börse bringen.

«Wir Slowflower Farmer:innen wollen nicht Teil des regulären Blumenzirkus’ sein, sondern mit unserem Handeln auf das hinweisen, was in der Branche schief läuft.»

Ist das ein Manko? Pas du tout. Wir wollen ja eben nicht Teil des regulären Blumenzirkus’ sein, sondern mit unserem Handeln auf das hinweisen, was in der Branche schief läuft. Von Anbaumethoden über Pflanzenschutz bis hin zu Verpackung und Transport. Wir wollen nachhaltige Blumen für unsere Community kultivieren. Sie mit unserem Tun aufklären und über Social Media hinter die floralen Kulissen blicken lassen. Kurzum: Wir bauen vor allem für diejenigen an, die nicht anonym im Laden kaufen, sondern sich in genau die Blüten verlieben wollen, die wir mit unserer Hände Arbeit wachsen lassen.

«Wir bauen Blumen für diejenigen an, die nicht anonym im Laden kaufen, sondern sich in genau die Blüten verlieben wollen, die wir mit unserer Hände Arbeit wachsen lassen.»

Auf dieser Mission haben wir selbst kaum finanziellen Spielraum — eigentlich macht es nur das Prinzip «From field to vase» überhaupt stemmbar. Warum sollten wir also freiwillig auf 2/3 des Werts unserer Arbeit verzichten und an Blumengeschäfte abgeben?

Vielleicht, weil es schön wäre, wenn noch mehr Menschen Slowflowers kaufen könnten? Das wärs! Dazu braucht es aber nicht günstigere Einkaufspreise, sondern viel mehr von uns, die sich die Arbeit überhaupt machen. Und dafür fair bezahlt werden.

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