Slowflowers: Wieso, weshalb, warum?

Wir achten darauf wo unser Essen herkommt, und unter welchen Bedingungen es hergestellt wird. Wir wissen, dass Erdbeeren im November Humbug sind oder Avocados eine unappetitlich grosse CO2-Bilanz haben. Aber weisst du auch, welche Blume in unseren Breitengraden wann blühen würde – ob sie überhaupt hier heimisch ist?Und was für eine irrsinnige Industrie dafür sorgt, dass Rosen, Nelken und Co. immer und überall verfügbar sind?

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren einheimische Blumen aus lokalen Gärtnereien oder dem eigenen Garten Standard. Niemand wäre auf die Idee gekommen, Blumen in die Vase auf dem Tisch zu stellen oder zum Geburtstag zu verschenken, die bereits um die halbe Welt gereist sind.

Dass sich das Geschäft mit Blumen von hier irgendwann nicht mehr lohnte, ist indirekte Folge US-amerikanischer Politik. Um den Drogenhandel zu bekämpfen, begann die Regierung in den 90er Jahren legale Geschäftsmodelle wie den Schnittblumenanbau in mittel- und südamerikanischen Ländern wirtschaftlich zu fördern. Eine Rechnung, die schnell aufgehen sollte. Dank günstiger Arbeitskraft, billiger Pestizide und minimaler Exportsteuern florierte das Geschäft mit den Schnittblumen aus dem Süden schon bald.

Die Kehrseite: Kaum ein US-amerikanischer Blumenfarmer konnte mit den Preisen der importierten Ware mithalten – eine Farm nach der anderen kapitulierte. Und auch in Europa zeichnete sich bald ähnliches ab: Blumen aus Ecuador, Kolumbien oder Kenia liefen den hierzulande angebauten schnell den Rang ab – und Florist:innen nahmen das neue Angebot dankbar an: Endlich unabhängig von der Jahreszeit mit Rosen, Nelken und allerlei exotischen  Gewächsen arbeiten! Und das auch noch zu Preisen, mit denen der einheimische Blumenanbau nicht mithalten konnte.

1 reply on “Slowflowers: Wieso, weshalb, warum?”

  • Auch hier wieder treffende Worte! Vielen Dank für diese Informationen. Hoffen wir, dass sich die Floristik (langsam) wieder auf die Natur besinnt….

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